Frau schaut aufs Meer
Jürgen Ferrary
19. Mai 2026

Rund um Himmelfahrt und Pfingsten findet in Berlin in diesem Jahr wieder „City of Lights“ statt. Überall in der Stadt werden Bühnen aufgebaut, Menschen erzählen von Jesus, beten für andere und suchen das Gespräch. Vor zwei Jahren gab es laut den Veranstaltern über 200.000 Eins-zu-eins-Gespräche über den Glauben. Dieses Jahr soll diese Zahl sogar noch übertroffen werden.

An einem der Sonntage predigte Lukas Repert in einer großen Berliner Kirche. Er sprach darüber, was es bedeutet, Jesus wirklich zu vertrauen. Nicht halbherzig. Nicht nur theoretisch. Sondern „all in“. Jesus hat alles für uns gegeben. Deshalb, so sagte er, sollten auch wir bereit sein, ihm unser ganzes Vertrauen hinzuhalten.

Dann geschah etwas, das mich ehrlich überrascht hat. Menschen, die genau das wollten, sollten sich melden. Und plötzlich hob der Pastor der Gemeinde seine Hand.

Später erklärte er beim Verabschieden der Gottesdienstbesucher: „Vielleicht wundert ihr euch, dass ich mich gemeldet habe – übrigens in allen drei Gottesdiensten. Aber wir haben als Kirche einen Wert: Wir wollen Jesus ähnlicher werden. Und dafür muss auch ich all in gehen.“

Dann sagte er einen Satz, der mich nicht mehr losgelassen hat: „Mein Ziel ist es, dass ich irgendwann vor Jesus stehe und ihm etwas sagen möchte – und Jesus antwortet: Genau das wollte ich dir auch gerade sagen.“ Und dann fügte er ehrlich hinzu: „Aber ich weiß, dass mein Weg dorthin noch sehr lang ist.“

Das hat mich nachdenklich gemacht. Denn die Frage „Bin ich nur gerettet oder gehe ich all in?“ richtet sich nicht nur an Menschen, die Jesus noch nicht kennen. Sie richtet sich auch an uns, die vielleicht schon lange mit ihm unterwegs sind.

Johannes schreibt: „Wir sind schon jetzt Kinder Gottes. Aber was das bedeutet, ist noch nicht vollständig sichtbar. Doch wir wissen: Wenn Christus erscheint, werden wir ihm ähnlich sein“ (1. Johannes 3,2).

Die Bibel verspricht nicht nur Vergebung. Sie verspricht Veränderung. Gott möchte uns Jesus ähnlicher machen. Und meistens geschieht das nicht spektakulär. Nicht über Nacht. Nicht durch einen einzigen emotionalen Moment. Sondern Schritt für Schritt. Im Alltag. In Entscheidungen. In Niederlagen und neuen Anfängen.

Jesus ähnlicher zu werden bedeutet nicht einfach, eine bessere Version von sich selbst zu erschaffen. Es bedeutet, von ihm geprägt zu werden. Langsam verändert sich etwas. Vielleicht zuerst im Tonfall. Im Umgang mit Menschen. In dem, worauf du unter Druck zurückgreifst. In den Gedanken, die du zulässt. In der Sehnsucht nach einem Leben, das Gott ehrt.

Natürlich gibt es Rückschritte. Alte Ängste tauchen wieder auf. Alte Muster melden sich zurück. Manchmal fühlt sich der Weg eher wie zwei Schritte vor und einer zurück an. Aber weißt du was? Dass du diesen Kampf überhaupt bemerkst, ist bereits ein Zeichen dafür, dass Gottes Geist in dir arbeitet.

Früher war dir manches egal. Heute bewegt es dein Herz. Früher wolltest du vielleicht gar nicht nach Gottes Willen fragen. Heute wünschst du dir, Jesus ähnlicher zu werden. Das ist Wachstum. Das ewige Leben wartet nicht erst irgendwann nach dem Tod auf dich. Es beginnt jetzt schon, sich in dir zu entfalten.

Deshalb ist die entscheidende Frage vielleicht gar nicht: „Bin ich schon angekommen?“ Sondern: „Bin ich bereit, weiterzugehen?“ Ich habe dieses Gebet mitgebetet. Nicht, weil ich schon dort bin, wo ich sein sollte. Sondern weil auch ich Jesus ähnlicher werden möchte. Schritt für Schritt.

Und du?

Herausforderung für heute: Wo kannst du in deinem Leben – vielleicht nur ganz leise – erkennen, dass Jesus bereits dabei ist, dich zu verändern? Danke Gott heute bewusst für jeden kleinen Schritt, den er bereits in dir gewirkt hat.

Sei gesegnet!

„Der Mensch wird am Du zum Ich.“ – Martin Buber

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